Medien-Stellungnahme des Bürgerbegehrens zur Aussage, dass F4 der am besten geeignete Klinik-Standort sein soll

Stellvertretend für das gesamte Bürgerbegehren teilen die Sprecher Otto Elbers, Adolf Köthe, Werner Salomon und Dr. med. Wolfram Franz mit:

Der dezentrale Standort F4 zwischen Bad Fallingbostel und Walsrode wurde vom Kreistag aufgrund der beiden Gutachten TRINOVIS und von LUCKWALD als der am besten geeignete Standort für ein neues Heidekreis-Klinikum bestimmt. Dieser Kreistagsbeschluss wurde von einzelnen Interessenvertretern unter der unrichtigen Behauptung des Zeitdrucks am 26.06.2020 durchgesetzt. Die Kreistagsabgeordneten erhielten vorher nur wenige, gezielt ausgesuchte Daten, Aussagen und Bewertungen aus den Gutachten zur Kenntnis. Sie können ausschließlich im HKK unter strenger Kontroll-Aufsicht das Gutachten einsehen. Erst viel später, nach Druck der Öffentlichkeit und des Bürgerbegehrens, können jetzt seit wenigen Wochen Teile der Gutachten (56 Seiten von über 400 Seiten, also etwa 1/7) im Internet heruntergeladen werden. [Diesen Bereich haben wir korrigiert, da aus Versehen aus 2 Sätzen nur 1 Satz abgedruckt wurde. Wir bedauern das] Der überwiegende Teil der Gutachten (6/7) wird weiterhin unter Verschluss gehalten. Was muss da verborgen werden? Sind die Gutachten geheim, weil sie nicht schlüssig und so leicht zu widerlegen sind?

TRINOVIS rechnet mit Daten von Patientenbewegungen aus dem nicht repräsentativen Jahr 2019, in dem für den Standort Soltau nur ein sehr reduziertes Leistungs-Angebot ohne Notfallaufnahme vorgehalten wurde. Die Gutachter nehmen als gegeben hin, dass die Bürger des nördlichen Landkreises auf die Kliniken der Nachbarkreise angewiesen sind, nachdem ihnen vor 10 Jahren ein erheblicher Teil der klinischen Versorgung genommen wurde. Die Nordkreisbürger werden im Gutachten weitgehend vernachlässigt.

Zu möglichen Patienten-Einzugsbereichen rechnet TRINOVIS: Einwohner im 30-Minuten-Radius für den Standort W1 (Walsrode): 155.000 Patienten, für den Standort F4: 185.000 Patienten. Eine Differenz von 30.000 Einwohnern bei zwei Flächen, die fast nebeneinander liegen! Höhere Mathematik!

Patientenströme: Für den Standort F4 rechnen die Gutachter mit 19 533 jährlichen Patienten, für den Standort D4 (Dorfmark) nur mit 18 964 Patienten. 2018 suchten 17 000 Patienten das HKK auf. Davon 12.000 Patienten den Standort Walsrode, der die meisten Fachrichtungen vorhält, und 5.000 den Standort Soltau mit geringem Fach-Angebot. Die Nordkreispatienten haben sich längst zu den Kliniken der Nachbarkreise hin orientiert. Dieses Potential der Nordkreispatienten wird den südlichen Standort F4 weiter nicht akzeptieren und nicht zurück gewonnen werden können. Deshalb ist die Annahme von 19 533 Patienten für F4 nicht realistisch. Dagegen ist die Zahl für einen Standort Dorfmark mit 18 964 Patienten zu gering angenommen, da Dorfmark von Nord und Süd akzeptiert und genutzt werden könnte und erheblich höheres Potential hätte.

Einwohneranteile bei Notfällen (15 min): Hier wird für den Standort F4 26,6% angegeben, für D4 nur 12%. Für F4 ist die Prozentzahl nachvollziehbar, da die einwohnerstarken Kommunen Walsrode und Bad Fallingbostel unmittelbar an der Fläche F4 liegen, wobei der Standort F4 vom nördlichen Heidekreis nur von den Bewohnern der Ortschaften Mittelstendorf, Meinern und Woltem in 15 Minuten zu erreichen ist. 12 % bei D4 kann nicht stimmen, da Soltau, Bad Fallingbostel und Bomlitz im 15 min-Radius liegen und Walsrode im 16 min-Radius. Für D4 ist eine wesentlich höhere Prozentzahl realistisch.
Die im Gutachten erwartete Einberechnung von 80 000 Einwohnern aus umliegenden Landkreisen als potentielle Patienten des Standorts F4 ist illusorisch. In den Nachbarkreisen gibt es viele gute Kliniken. Das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg soll zukünftig sogar zum Maximalversorger ausgebaut werden. Mit 80 000 aus den Nachbarkreisen abzuwerbenden Patienten will man den fortgesetzten Verlust der weiterhin ausgeschlossenen Nordkreis-Patienten ausgleichen und für die Klinik ein wirtschaftliches Auskommen erreichen.

Trinovis stützt sich auf nachweislich grob fehlerhafte Fahrzeitberechnungen: Diese weichen um bis zu 40% von den Berechnungen moderner, allseits gebräuchlicher Navigationssysteme wie Google-Maps ab. Die Aussage, dass aus Schneverdingen F4 schneller erreicht werden kann, als die umliegenden Kliniken in Rotenburg und Buchholz, ist eindeutig falsch. Nachweislich sind Fahrzeit und Fahrstrecke von Schneverdingen nach Rotenburg oder Buchholz kürzer.

Der Heidekreis ist einer der wichtigsten Tourismus-Landkreise in Niedersachsen. Das wurde im Gutachten völlig vernachlässigt. Der Heidekreis hat jährlich ca. 5 Millionen Besucher mit 3 Millionen Übernachtungen. Drei Viertel davon im Norden des Landkreises (Norden: Heideflächen, Heidepark, Centerpark, SnowDome, Kartbahn, verrücktes Haus, Iserhatsche, Trampolinpark, Modelleisenbahn, Deutsches Panzermuseum,… Süden: Vogelpark, Serengetipark).

Trinovis verwendet wiederholt Einschränkungen: „unabhängig vom Versorgungsbedarf und Wettbewerb“ sowie „unabhängig von der regionalen Wettbewerbssituation“. Der Standort F4 wird als gut bewertet ohne Berücksichtigung von Klinik-Angeboten der Umgebung. Das ist unüblich und nicht begründbar. Um den Süden unseres Landkreises herum liegen im 70-km-Radius 9 Krankenhäuser (Celle, Großburgwedel, Lehrte, MHH, Langenhagen, Neustadt, Nienburg, Verden, Rotenburg), um den Norden herum 7 Krankenhäuser (Winsen, Lüneburg, Uelzen, Celle, Verden, Rotenburg, Buchholz).

Auch in dem Gutachten „von Luckwitz“ ist das Ergebnis „F4 ist am besten als Standort geeignet“ nicht zu halten. Denn diese Bewertung kommt zustande durch die Einbeziehung der Kriterien Fracking und Bergbau. Der Gutachter, Herr von Luckwitz gibt öffentlich zu, diese Kriterien wären irrelevant, erklärt aber, es hätten Menschen auf deren Einbeziehung für die Wertung bestanden. Unter Weglassen dieser Kriterien ist F4 im Ergebnis nicht mehr der am besten geeignete Standort.

F4 ist nicht der am besten geeignete Standort für ein neues Klinikum. Er wird in den Gutachten ungerechtfertigt bei vielen Positionen mit zweifelhaften und nicht realistischen Annahmen und Daten zu positiv bewertet. Sehr wichtige Faktoren werden, wie gezeigt, außer Acht gelassen.

Der nicht zentral sondern dezentral zu weit im Süden des Heidekreises gelegene Standort wird die notwendige breite Akzeptanz aus dem Norden verfehlen und kann deshalb niemals wirtschaftlich tragfähig werden. Wir Steuerzahler werden ihn, ohne ihn alle selbst nutzen zu können, jahrzehntelang finanziell unterstützen müssen. Dieser Standort erfüllt nicht die ministeriell geforderten Kriterien „wirklich zentral“ und „breite Akzeptanz der Bevölkerung“. Das verringert gegenüber den anderen vier Bewerbern die Chance bei der Auswahl zum Empfänger der Fördergeldsumme.

Nur ein Standort bei Dorfmark verspricht Zukunftsfähigkeit, denn er liegt zentral im Heidekreis, ist ein Standort des Kompromisses, der Vernunft und für breite Akzeptanz. Er kann den Heidekreis endlich friedlich verbinden. Dorfmark ist entgegen falscher Behauptungen zulässig und genehmigungsfähig und es gibt geeignete und verfügbare Flächen.

Deshalb: nur mit einem JA zum Bürgerentscheid am 18. April haben wir eine Chance ein neues Gesamtklinikum im Heidekreis zu bekommen.

Soltau, den 05.04.2021

Zurück